3D-Konfigurator: Software-Plattform oder individuell entwickeln? Ein ehrlicher Vergleich
3D-Konfigurator Software (SaaS) oder individuelle Entwicklung? Plattform-Kategorien, faire Kriterien, Mischformen und wann SaaS die bessere Wahl ist.
Wer einen 3D-Konfigurator plant, steht früh vor der Wahl: eine fertige 3D-Konfigurator-Software als Abo (SaaS) nutzen oder den Konfigurator individuell entwickeln lassen? Wir entwickeln individuell – und sagen trotzdem gleich zu Beginn: Für viele Produkte ist eine Plattform die bessere Wahl. Dieser Vergleich soll Ihnen helfen, das für Ihr Produkt zu entscheiden, mit nachvollziehbaren Kriterien und Angaben nur aus den Quellen der Anbieter selbst.
Welche Arten von Konfigurator-Software es gibt
„Konfigurator-Software“ ist ein Sammelbegriff. Die Angebote unterscheiden sich stark darin, für wen sie gebaut sind:
1. Shop-Apps für Personalisierung
Erweiterungen für Shopsysteme wie Shopify, mit denen Kunden Text, Logos oder Farben auf ein Produkt bringen. Ein Beispiel ist Zakeke: Laut Preisseite sind 3D-Vorschau und AR schon im kleinsten Tarif enthalten, Bedingungsregeln („Conditional rules“) und eine Materialbibliothek erst im Tarif „Scale“; zur Monatsgebühr kommt eine prozentuale Gebühr pro verkauftem Artikel (Stand: Oktober 2026) [1]. Die konkreten Beträge stehen in unserer Preisübersicht im Artikel Was kostet ein 3D-Konfigurator?.
Stark bei: Merchandise, Textilien, bedruckbaren Produkten, schnellem Start im eigenen Shop.
Wie Personalisierung in einer individuellen Lösung aussehen kann, zeigt unser fiktives Cap-Demo: Stickerei-Text live, Garnfarbe, Position und Schirmform. Wer nur Text und Logo auf ein Standardprodukt bringen will, ist mit einer Shop-App aber oft schneller am Ziel.
Eigene Demo · fiktives Produkt
Cap mit Stickerei
Eine Sechs-Panel-Cap mit eigener Stickerei: Farben, Garn, Position und Schirmform.
2. 3D-Viewer- und Konfigurator-Plattformen mit Tarifstufen
Plattformen, die vom einfachen 3D- und AR-Viewer bis zum modularen Konfigurator mehrere Stufen anbieten. Roomle etwa staffelt seine Jahreslizenzen vom „3D & AR Viewer“ über Material- und Variantenkonfiguratoren bis zum „Full Logic“ Modular Configurator und begrenzt je Stufe die Zahl der Konfiguratoren und Aufrufe pro Jahr (Stand: Oktober 2026) [2].
Stark bei: Möbeln und Einrichtung, vielen Produkten mit ähnlicher Logik, Händlernetzen.
3. Konfigurator-Plattformen mit Projektgeschäft
Anbieter wie Threekit oder Expivi veröffentlichen keine Preise; Threekit schreibt, die Preise seien individuell und hingen vom Anwendungsfall ab, Expivi bespricht sie im Demo-Gespräch (Stand: Oktober 2026) [3][4]. Im deutschsprachigen Markt treten außerdem Anbieter wie Combeenation auf, das sich als CPQ- und Konfigurator-Plattform für komplexe Produkte beschreibt [5], oder K3 von ObjectCode, eine Produktkonfigurator-Software mit kostenloser Testphase [6]. Leistungsumfang und Preise entnehmen Sie den Websites der Anbieter.
Stark bei: größeren Sortimenten, bei denen Plattform und Einrichtung als Paket gekauft werden.
4. CPQ-Systeme
CPQ steht für „Configure, Price, Quote“: Software, die Vertriebsteams beim Angebot komplexer, konfigurierbarer Produkte unterstützt [7]. Diese Systeme bilden Regeln, Preise und Angebote ab und sind oft eng mit ERP und CRM verbunden. 3D ist dort eine mögliche Ergänzung, nicht der Kern.
Stark bei: Investitionsgütern mit vielen technischen Abhängigkeiten, Angebotsprozessen im Vertrieb.
5. Offene Bausteine
Wer eigene Entwickler hat, kann auf offenen Werkzeugen aufbauen. Googles <model-viewer> ist eine Web-Komponente, die interaktive 3D-Modelle im Web und in AR anzeigt [8]; three.js ist die verbreitete JavaScript-Bibliothek für WebGL, auf der auch unsere Demos laufen. WebGL selbst ist eine Browser-Schnittstelle für interaktive 3D-Grafik ohne Plugin [9].
Stark bei: einer einfachen Produktansicht mit eigenem Team, oder als Grundlage einer individuellen Entwicklung.
6. Individuelle Entwicklung
Eine Agentur oder ein Studio baut Modell, Oberfläche und Regeln speziell für Ihr Produkt und liefert sie als Seite oder zum Einbetten aus. Laufende Lizenzkosten entfallen, dafür ist die Erstellung ein eigenes Projekt.
Die Kriterien im fairen Vergleich
| Kriterium | SaaS-Plattform | Individuelle Entwicklung |
|---|---|---|
| Start | schnell, wenn das Produkt in die Vorlagen passt | Projekt mit Konzept, Modell und Tests |
| Kostenstruktur | laufende Lizenz, teils mit Aufruf-Grenzen oder Umsatzgebühren | einmalige Erstellung plus Hosting und Pflege |
| Selbstpflege | oft ein Editor für das eigene Team | meist als Pflegeleistung (bei uns: kein Editor als Standard) |
| Regeln | so weit, wie das Regelwerk der Plattform reicht | beliebig, solange sie sich beschreiben lassen |
| Darstellung | Qualität der Plattform-Engine, Design im Rahmen der Vorlagen | eigenes Erscheinungsbild, besondere Materialien und Effekte |
| Erklärfunktionen | je nach Plattform | Explosionsansicht, Mechanik, Schnitt nach Bedarf |
| AR | häufig enthalten (z. B. Zakeke ab Starter, Roomle-Viewer) [1][2] | projektabhängig; bei uns nicht als Standard |
| Hosting und Datenschutz | auf den Servern der Plattform | auf Wunsch auf Ihrem eigenen Server |
| Abhängigkeit | Wechsel erfordert Migration; Modell-Export vorher klären | Dateien liegen bei Ihnen, wenn der Vertrag es so regelt |
| Viele Produkte | Stärke: neue Produkte nach Schema anlegen | jedes neue Produktsystem ist Aufwand |
Drei Punkte verdienen einen genaueren Blick.
Ladezeit und Kontrolle: Ein 3D-Modell darf die Produktseite nicht verlangsamen. Google empfiehlt unter anderem einen Largest Contentful Paint von höchstens 2,5 Sekunden und eine Interaction to Next Paint von höchstens 200 Millisekunden [10]. Bei einer Plattform bestimmt deren Einbettung, wann und wie viel geladen wird; bei einer individuellen Lösung lässt sich das genau festlegen. Wir laden das interaktive 3D zum Beispiel erst, wenn der Besucher es öffnet, und zeigen bis dahin ein Vorschaubild oder ein kurzes Video aus dem echten Modell. Fragen Sie jeden Anbieter, wie sich seine Einbettung auf diese Werte auswirkt, und testen Sie eine Beispielseite selbst mit Lighthouse oder PageSpeed Insights.
Datenschutz: Bei einer Plattform lädt der Browser Ihrer Besucher in der Regel Dateien und Skripte von den Servern des Anbieters. Das kann ein Thema für Ihr Consent-Banner und Ihre Datenschutzerklärung sein. Eine individuelle Lösung kann vollständig auf Ihrem Server liegen. Im Projekt für ALUXIL kommt jede Datei von aluxil.de, ohne Anfragen an Drittanbieter und ohne Cookies (Fallstudie).
Integration in die Kaufbox: Viele Plattformen bringen ihre eigene Optionsauswahl mit. Haben Sie bereits eine funktionierende Kaufbox mit Preislogik, ist es oft sinnvoller, das 3D-Modell an diese zu koppeln, damit es eine einzige Quelle für den Preis gibt. Wie das im Shop technisch aussieht, beschreibt der Ratgeber 3D-Konfigurator für Shopify und Shopware.
Wann SaaS die bessere Wahl ist
Ehrlich gesagt: in mehr Fällen, als Agenturen gern zugeben. Eine Plattform passt meist besser, wenn
- Ihr Produkt einem verbreiteten Muster folgt, für das die Plattform Vorlagen hat (Regale, Schränke, bedruckbare Textilien, Möbel mit Stoffwahl),
- Sie viele Produkte mit ähnlicher Logik haben und neue selbst anlegen wollen,
- Ihr Team Farben, Preise und Produkte selbst pflegen soll, ohne für jede Änderung jemanden zu beauftragen,
- Sie AR von Anfang an brauchen und die Plattform es mitbringt,
- Sie Personalisierung (Text, Logo) in einem Shopify-Shop schnell starten wollen,
- das Budget für eine Erstellung fehlt, eine monatliche Lizenz aber tragbar ist.
In diesen Fällen bezahlen Sie bei einer individuellen Lösung für etwas, das es schon gibt.
Wann eine individuelle Entwicklung sinnvoller ist
Eine individuelle Entwicklung spielt ihre Stärken aus, wenn
- das Produkt ein System mit vielen Regeln ist (Maße, Statik-Grenzen, Kompatibilitäten), das in keine Vorlage passt,
- das Produkt erklärt werden muss: wie es aufgebaut ist, wie die Mechanik läuft, wo das Wasser abläuft,
- Materialien eine Hauptrolle spielen, etwa Glas, Edelsteine oder Licht,
- es wenige, dafür wichtige Produkte gibt, die genau Ihrem Erscheinungsbild folgen sollen,
- Daten und Dateien auf Ihrem eigenen Server bleiben sollen,
- das 3D an eine bestehende Kaufbox oder einen bestehenden Anfrageprozess gekoppelt werden soll.
Unser fiktives Stirnradgetriebe zeigt, was mit „erklären“ gemeint ist: Deckel transparent schalten, Bauteile in Montagereihenfolge auseinanderziehen, den Antrieb mit Übersetzung laufen lassen. Die Kennwerte sind dort Beispielwerte, kein Datenblatt.
Eigene Demo · fiktives Produkt
Stirnradgetriebe
Ein Lehrbuch-Getriebe für Vertrieb und Schulung: Deckel transparent, Explosion, laufender Antrieb mit Übersetzung.
Und unser fiktiver Glashaus-Konfigurator zeigt ein Systemprodukt mit stufenlosen Maßen, Schiebefront und Dachverglasung – die Art Produkt, für die es selten eine passende Vorlage gibt.
Eigene Demo · fiktives Produkt
Glashaus-Konfigurator
Ein vollständiger Konfigurator für ein fiktives Glashaus: Maße, Schiebefront, Dachverglasung, Rahmenfarbe.
Mischformen
Die Entscheidung ist nicht immer entweder–oder:
- Offener Viewer plus eigenes Modell: Für eine reine Produktansicht kann ein gut gebautes GLB-Modell in einem offenen Viewer genügen. Shopify etwa akzeptiert GLB- und USDZ-Dateien direkt als Produktmedien, bis 500 MB pro Datei (Stand: Oktober 2026) [11] – wobei eine so große Datei für Besucher auf dem Handy viel zu schwer wäre.
- Individuelles 3D plus vorhandenes CPQ: Das Regelwerk bleibt im CPQ-System, das 3D-Modell stellt das Ergebnis dar. Das ist eine Integrationsaufgabe, die im Einzelfall geprüft werden muss.
- Plattform für das Sortiment, individuell für das Flaggschiff: Viele Standardprodukte auf einer Plattform, das erklärungsbedürftige Hauptprodukt als eigene Lösung.
Fünf Fragen für Ihre Entscheidung
- Passt Ihr Produkt in eine Vorlage? Bitten Sie Plattform-Anbieter um ein Beispiel mit vergleichbarer Logik, nicht nur mit vergleichbarem Aussehen.
- Wer pflegt nach dem Start? Wenn Ihr Team selbst ändern soll, ist ein Editor ein starkes Argument für SaaS.
- Wie lange soll der Konfigurator laufen? Rechnen Sie Lizenz × Laufzeit gegen Erstellung plus Pflege. Die Kostentreiber dazu stehen im Artikel Was kostet ein 3D-Konfigurator?.
- Wo sollen die Daten liegen? Eigener Server oder Plattform – und was sagt Ihr Datenschutzbeauftragter dazu?
- Was passiert beim Wechsel? Fragen Sie, in welchem Format Sie Modelle und Regeln mitnehmen können.
Und ein praktischer Tipp für jede Auswahl, ob Plattform oder Agentur: Lassen Sie sich nicht nur eine schöne Demo zeigen, sondern eine Demo mit Ihrer schwierigsten Regel. Ein Konfigurator, der Farben wechselt, ist schnell gebaut. Ob er auch „Doppelakku nur mit stärkerem Motor“ oder „Zubehör X nicht mit Größe Y“ sauber abbildet und dem Kunden verständlich erklärt, entscheidet über den Alltag nach dem Start. Testen Sie die Demo außerdem auf einem gewöhnlichen Smartphone, nicht nur auf dem Präsentationslaptop.
Wenn die Antworten eher zu einer Plattform führen, ist das ein gutes Ergebnis: Sie sparen Zeit und Geld. Wenn sie zu einer individuellen Lösung führen, finden Sie unseren Ablauf auf der Seite 3D-Konfigurator und eine Anleitung in Produktkonfigurator erstellen.
Häufige Fragen
Lassen sich Plattform und individuelle Lösung kombinieren?
Ja. Häufig laufen Standardprodukte auf einer Plattform, während ein erklärungsbedürftiges Flaggschiff individuell umgesetzt wird. Ebenso kann ein vorhandenes CPQ-System die Regeln behalten und ein individuelles 3D-Modell nur das Ergebnis darstellen. Ob sich die Kosten über die Laufzeit rechnen, zeigt der Ratgeber Was kostet ein 3D-Konfigurator?.
Kann ich mit einer SaaS-Plattform später zu einer individuellen Lösung wechseln?
Ja, aber der Aufwand hängt davon ab, ob Sie Modelle und Regeln exportieren können. Offene Formate wie glTF/GLB erleichtern den Wechsel. Klären Sie das vor Vertragsabschluss.
Bietet Modelwright AR oder einen Editor zur Selbstpflege?
Nicht als Standard. AR prüfen wir im Einzelfall; Änderungen am Konfigurator übernehmen wir als Pflege. Wenn beides für Sie entscheidend ist, kann eine Plattform die bessere Wahl sein.
Welche Plattform ist die beste?
Das hängt vom Produkt ab. Shop-Apps eignen sich für Personalisierung, Plattformen mit Tarifstufen für Möbel und große Sortimente, CPQ-Systeme für Investitionsgüter mit Angebotsprozess. Lassen Sie sich ein Beispiel mit vergleichbarer Regel-Logik zeigen.
Quellen
- Zakeke: Pricing (abgerufen am 27.10.2026). https://admin.zakeke.com/en-US/pricing
- Roomle: Pricing (abgerufen am 27.10.2026). https://www.roomle.com/en/pricing
- Threekit: Pricing (abgerufen am 27.10.2026). https://www.threekit.com/pricing
- Expivi: Pricing (abgerufen am 27.10.2026). https://www.expivi.com/pricing
- Combeenation: CPQ & Konfigurator für komplexe Produkte (abgerufen am 27.10.2026). https://www.combeenation.com/
- ObjectCode: Produktkonfigurator-Software K3 (abgerufen am 27.10.2026). https://k3-konfigurator.de/
- Wikipedia: Configure, price and quote. https://en.wikipedia.org/wiki/Configure,_price_and_quote
- Google: model-viewer. https://modelviewer.dev/
- MDN Web Docs: WebGL API. https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/API/WebGL_API
- web.dev: Web Vitals. https://web.dev/articles/vitals
- Shopify Help Center: Product media types. https://help.shopify.com/en/manual/products/product-media/product-media-types
Beispiele zum Ausprobieren
Eigene Demo · fiktives Produkt
Stirnradgetriebe
Ein Lehrbuch-Getriebe für Vertrieb und Schulung: Deckel transparent, Explosion, laufender Antrieb mit Übersetzung.
Eigene Demo · fiktives Produkt
Cap mit Stickerei
Eine Sechs-Panel-Cap mit eigener Stickerei: Farben, Garn, Position und Schirmform.
Eigene Demo · fiktives Produkt
Glashaus-Konfigurator
Ein vollständiger Konfigurator für ein fiktives Glashaus: Maße, Schiebefront, Dachverglasung, Rahmenfarbe.





